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Eine Gesundheitsversorgung, auf die man sich verlassen kann!

Die Wege zu ärztlicher Hilfe werden in unserer Region immer länger. Im Landkreis Bad Kissingen gibt es schon seit zwei Jahren keine Geburtshilfe mehr. Das Rote Kreuz berichtet, dass seither etwa zehn Kinder im Jahr nicht im Kreissaal, sondern im Rettungswagen auf die Welt kommen, weil ihre Mütter es nicht mehr rechtzeitig nach Schweinfurt schaffen.

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Der Landkreis Haßberge ist gezwungen, den Standort Hofheim ganz aufzugeben. Die Geburtsklinik in Haßfurt, die steigende Geburtenzahlen hat und in die erst vor kurzem investiert wurde, muss Ende 2018 aufgegeben werden. Ob Schweinfurt oder Bamberg überhaupt noch Kapazitäten haben, um die über vierhundert Geburten zu übernehmen, die 2016 in Haßfurt stattfanden, spielt dabei keine Rolle. Ja, die großen Geburtskliniken haben – anders als Haßfurt – angeschlossene Kinderkliniken. Aber was nützt das den Frauen, die dann nicht mehr rechtzeitig dorthin kommen, sondern im Rettungswagen entbinden? Der Kreis wird übrigens seine finanziellen Sorgen durch diese für Patientinnen und Patienten wie für Beschäftigte nur verringern, aber nicht los. Dennoch wird weiterhin ein hohes Defizit für die Haßberg-Kliniken zu tragen sein. Die Finanzierung der Krankenhäuser nach Menge (Fallpauschalen) macht es für kleinere Häuser fast unmöglich, die dort besonders hohen Vorhaltekosten zu erwirtschaften. Diese Finanzierung der Krankenhäuser bedeutet auf Dauer das Ende der Krankenhausgrundversorgung im ländlichen Raum.

Auch zu den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten werden die Wege immer länger. Formal sind die drei Landkreise mit Ärzten ausreichend versorgt, aber dabei wird nicht berücksichtigt, dass sehr viele der Arztpraxen in der Rhön, im Kreis Kissingen und im Kreis Haßberge von Ärztinnen und Ärzten geführt werden, die schon im Rentenalter sind oder darüber hinaus. Die Nachfolge ist bei den meisten offen. Die jüngeren Kollegen nehmen oft gar keine Patientinnen und Patienten mehr neu auf, weil sie völlig überlastet sind. Die Menschen haben Angst, nirgendwo mehr unter zu kommen, wenn ihr Hausarzt die Praxis schließt. Auch die Notfallversorgung wird immer schwieriger. Die Notaufnahme am Krankenhaus Hammelburg ist nur noch tagsüber geöffnet. Nach 18 Uhr müssen die Menschen sich nach Bad Kissingen oder Schweinfurt wenden. Die kinderärztliche Bereitschaft wurde für alle drei Landkreise in Schweinfurt konzentriert, die hausärztliche Bereitschaft für Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen zusammengefasst. Wer also außerhalb der Öffnungszeiten der Kinderarzt- oder Hausarztpraxen Hilfe braucht, muss viele Kilometer weit fahren. Die Konzepte für die Rettungsleitstellen werden zwar immer wieder an die Situation angepasst. Aber der Kreisverband Bad Kissingen des Roten Kreuzes hat Schwierigkeiten, Krankenhausärzte für den notärztlichen Dienst zu gewinnen. Und wer einen Schlaganfall hat, der muss schnell ins richtige Krankenhaus, nicht nur schnell in den Rettungswagen.

Ebenso wenig wird berücksichtigt, dass es das Angebot an Öffentlichem Nahverkehr oder Taxen in unserer Region absolut unzureichend ist. Die Wege werden immer länger, und ohne eigenes Auto ist man aufgeschmissen. Dabei haben wir immer mehr ältere Patientinnen und Patienten. Und auch arme Menschen, die sich kein eigenes oder kein zweites Auto für die Familie leisten können, haben einen Anspruch darauf, die nötige Behandlung zu bekommen.

Gleichzeitig wird in diesem System viel zu viel Geld durch Fehlanreize verschwendet: Würden die Hausärzte anständig für Hausbesuche und Gesundheitsprävention bei älteren Menschen zu Hause und in Alten- und Pflegeheimen bezahlt, könnten viele Noteinweisungen in die Krankenhäuser vermieden werden. Würden ausführliche Gespräche und gute Diagnose ausreichend finanziert, und nicht nur die teure Gerätemedizin, könnten viele Operationen, Fehlbehandlungen und viel Leid vermieden werden.

Die Beschäftigten in den Krankenhäusern stehen unter einem nicht endenden Optimierungsdruck. Die Besetzung von Stellen wird immer schwieriger. Viele Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sind frustriert: Weil zu viel Geld im Gesundheitswesen für Bürokratie, für teure Apparatemedizin, für gut abzurechnende Operationen ausgegeben wird, aber Vorsorge, Zeit, Geduld für die Menschen viel zu kurz kommen.

Das alles ist kein Schicksal, sondern Folge einer falschen Leistungsfinanzierung im Gesundheitswesen.

Ich werde mich einsetzen für:

  • einen gesetzlichen Anspruch für alle Menschen auf eine medizinische Akutversorgung rund um die Uhr in klar definierter räumlicher Entfernung von ihrem Wohnort,
  • ein Mitspracherecht der Landkreise bei der Organisation der stationären und ambulanten Notfallversorgung,
  • eine integrierte Bedarfsplanung für die niedergelassene und stationäre Gesundheitsversorgung, bei der auch die Erreichbarkeit der Angebote mit dem Nahverkehr, der Altersschnitt der zu versorgenden Bevölkerung (Morbidität), die tatsächlichen Praxisöffnungszeiten und das Alter der Ärztinnen und Ärzte bei der Feststellung der Bedarfe und der Festlegung der Standorte berücksichtig werden,
  • eine Krankenhausplanung, die für die Gewährung von Stabilisierungsbeihilfen für defizitäre Krankenhäuser und Abteilungen prüft, ob im Falle des Wegfalls des Standorts an den räumlich nächsten Alternativen überhaupt die personelle und räumliche Kapazität besteht, um die Patientinnen und Patienten dort mitzuversorgen und die die Erreichbarkeit dieser Alternativen ohne Auto mitberücksichtigt,
  • eine Leistungsfinanzierung, bei der das Geld der Versicherten wieder in Vorhaltung von Leistungen in der Fläche und in menschennahe Medizin fließen, und nicht mehr nur in teure Geräte und Bürokratie,
  • die Aufhebung der Trennung zwischen den Budgets zwischen stationärer und ambulanter Versorgung, in einem ersten Schritt für den ländlichen Raum.
  • eine Bürgerversicherung mit einheitlichen Arzthonoraren für privat und gesetzlich Versicherte, damit wir die Abwanderung der Ärztinnen und Ärzte vom Land in die Städte stoppen.

Mehr zur Grünen Gesundheitspolitik gibt es hier.

Hier kann man ein Streitgespräch bei Bayern 2 zur Gesundheitspolitik mit mir nachhören.

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