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Dörfer und Städte mit Leben und Zukunft

Immer neue Bau- und Gewerbegebiete – der Flächenfraß in unserer Landschaft ist enorm. Und er ist längst nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein wirtschaftlicher und sozialer Irrweg.

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Warum?

  • Der Flächendruck auf die Landwirtschaft wird immer größer.
  • Gewerbegebiete auf der Grünen Wiese entleeren und veröden die Ortskerne. Wenn Ärztehäuser und Einzelhandel an den Stadtrand neben die Kreis- und Bundesstraßen abwandern, dann kommt man da nur noch mit dem Auto hin. Das bedeutet zum Beispiel für Menschen, die auf den Rollator angewiesen sind, dass sie sich gar nicht mehr selbständig versorgen können.
  • Die Abhängigkeit vom Auto wird immer größer und unser soziales Leben dadurch immer ärmer. Wer hat eigentlich den kleinen Schwatz auf der Straße „Wie geht’s Dir? Was machen die Kinder? Wollen wir schnell noch einen Kaffee zusammen trinken?“ schon mal mit Genuss auf einem Großmarkt-Parkplatz gehalten?
  • Gaststätten und der kleine Einzelhandel schließen: Wer nicht mehr zu Fuß zum Schoppen mit Freunden in die Kneipe und wieder nach Hause kommt, der trinkt ihn halt gleich zu Hause vor dem Fernseher. Wer sich ins Auto setzen muss selbst für die kleinste Besorgung, der fährt halt gleich nach Schweinfurt oder Würzburg zum Einkaufen.
  • Die Erschließung neuer Bau- und Gewerbegebiete ist selbst in Ballungsräumen fast immer ein Zuschussgeschäft für Städte und Gemeinden. Gerade Gemeinden, die im Saldo von Abwanderung betroffen sind, werden durch diese Erschließungskosten in den nächsten Jahrzehnten finanziell erdrosselt werden. Denn immer mehr Kilometer Straßen-, Abwasser- und Wasserinfrastruktur müssen gebaut und unterhalten werden. Und den leerstehenden Ortskern kann man nicht einfach von der Abwasserentsorgung abklemmen. Besser wäre es Mittel zu investieren, um den Bestand attraktiver zu machen, etwa durch neue Nahverkehrsangebote oder dezentrale Versorgung wie Einzelhandel oder soziale Einrichtungen.
  • Wo Bauträger billig neue Einfamilienhäuser anbieten, wird der Einfamilienhausbestand drastisch entwertet. Viele Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten den Baukredit für ihr Eigenheim mühsam vom Mund abgespart. Wenn sie in höherem Alter gerne verkaufen würden, weil ihnen das Haus zur Last wird, stellen sie oft fest, dass ihr wichtigster Vermögenswert, das eigene Haus, nicht mehr nachgefragt ist. Denn im Landkreis Bad Kissingen wird fast sechsmal mehr gebaut als Bedarf besteht, im Landkreis Rhön-Grabfeld viermal so viel. Gleichzeitig fehlt es an zentrumsnahen Geschosswohnungen, in die sie von der Eigenheimsiedlung am Rand ohne Nahverkehrsanbindung und Einzelhandel umziehen könnten. Die Menschen werden gezwungen, in ihren Häusern zu bleiben, immer abhängig vom Auto. Die Siedlungen überaltern. Nachbarschaftshilfe, Leben auf der Straße, Begegnung – all das verlieren wir. Und in einigen Jahrzehnten stehen die jungen Familien, die heute in die neuen Baugebiete einziehen, vor dem selben Problem.
  • Heimatpflege braucht Baukultur. Wir haben von unseren Vorfahren einen wunderbaren Bestand geerbt: Vom denkmalgeschützten Hof bis zum Traumhaus aus den Sechzigern. Wir sollten dieses Erbe pflegen, anstatt uns die Landschaft mit Häusern von der Stange und Großmärkten zupflastern zu lassen.

Was und wie ich das ändern will:

  • Ein aufwändig neu gestalteter Platz oder eine schicke Lichtinstallation bringen allein noch kein Leben ins Zentrum. Solche "Leuchttürme" werden oft nur deshalb gebaut, weil es dafür Fördermittel gibt, aber nicht, weil sie in ein umfassendes kommunales Konzept passen. Kleine Kommunalverwaltungen sind aus nachvollziehbaren Gründen aber oft damit überfordert, ihre Bedarfe zu ermitteln, integrierte Planungskonzepte zu erstellen, diese mit der Bevölkerung zu diskutieren und umzusetzen. Schon die Stellung eines Förderantrags, die Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbs oder die Auswahl der richtigen Berater setzt oft ein Fachwissen voraus, das kleine Verwaltungen nicht vorhalten können. Deshalb setze ich mich ein für ein langfristiges Förderprogramm des Bundes für kleine Städte und Gemeinden nach dem Vorbild des Programms „Soziale Stadt“. Die Gemeinden müssen vor allem mit Know-How langfristig unterstützt werden, wie sie ihre Zukunft nachhaltig planen.
  • Die Gemeinden müssen in die Lage versetzt werden, für Bestandssiedlungen übergreifende Planungen für die energetische Modernisierung und die Energieversorgung aufzulegen und Eigentümerinnen oder Kaufinteressenten zu begleiten und zu fördern. Wir brauchen nicht nur Energieeffizienz im Neubau, sondern vor allem im Bestand. Gemeinsame Lösungen bei Sanierung und Energieversorgung sind oft um ein Vielfaches günstiger als Einzelmaßnahmen.
  • Junge Familien auf Haussuche brauchen Beratungs- und Planungsunterstützung, wenn sie über den Erwerb eines Bestandshauses nachdenken, Eigentümer, die sich Gedanken über ein möglichst selbständiges Leben im Alter machen, brauchen ebenfalls Unterstützung. Nicht die Förderung von Neubauten, sondern des Erwerbs und Erhalts von Bestandsimmobilien macht unsere Städte und Gemeinden zukunftsfähig. Dabei sollten wir auch neue Modelle anbieten: Zum Beispiel die Kombinationen von Kauf und Wohnrechten in den Einliegerwohnungen, Förderung von Wohnungstausch zwischen Generationen, die Förderung von gemeinschaftlichen Wohnformen mehrerer Familien oder Beratungen für den Umbau zur Barrierefreiheit oder für Betreuungs- und Pflegelösungen, die sich mit der Zeit anpassen.
  • Wir brauchen eine gesetzliche Begrenzung des Flächenneuverbrauchs in Bayern, damit der Bestand wieder eine Chance hat.

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