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Sturzfluten und Überschwemmungen im Kreis Haßberge: Grüne fordern konsequenten Klima- und Hochwasserschutz - Bundestagsabgeordnete Dr. Manuela Rottmann trifft betroffene Familien

„Familien und Betriebe können sich alleine nicht gegen Sturzflutereignisse schützen. Sie brauchen unsere Solidarität: Die Erdüberhitzung konsequent bekämpfen und dem Schutz vor Starkregenereignissen einen hohen Stellenwert einräumen – so können wir das Risiko verringern,“ fasste Bundestagsabgeordnete Dr. Manuela Rottmann ihre Gespräche vom Sonntag

zusammen.

Die Vorstandssprecher des Kreisverbands Haßberge von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN Margit Pickel-Schmitt und Christoph Appel hatten eine gemeinsam mit Markus Kuhn vom Ortsverband Haßfurt lange geplante Paddeltour der Grünen auf dem Main kurzfristig abgesagt. Stattdessen suchte das Quartett, begleitet von Grünen Kommunalpolitikern, vor Ort das Gespräch mit von den verheerenden Überschwemmungen am Freitag betroffenen Betriebe und Familien im Landkreis und mit Einsatzleitern der Freiwilligen Feuerwehren.

Unterschleichach

Thomas Bäuerlein, seit 25 Jahren Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Unterschleichach, hat vom Großbrand bis zum schweren Unfall schon unzählige schwierige Einsätze absolviert. „Aber so etwas wie am Freitag habe ich in Unterschleichach noch nicht erlebt,“ schilderte er die dramatischen Stunden. Aus der Aichach war binnen weniger Stunden ein reißender Fluss geworden.

Der Hof von Biobäuerin Michaela von der Linden und ihrem Mann Christoph Schwemmlein in der Ortsmitte von Unterschleichach stand in kürzester Zeit unter Wasser. Ein paar Hühnerküken hat die Familie verloren. Die Rhönschafe waren zum Glück auf der Weide, so dass das Wasser durch die Scheune ablaufen konnte. Die Oberauracher Gemeinderäte Anita Amend und Roland Baumann sind sich sicher: „Wir hatten noch Glück. Es hat nicht viel gefehlt, und Kirchaich hätte es auch getroffen.“

Julian Bayer, ebenfalls Mitglied im Gemeinderat Oberaurach, betont: „Es kann sich eigentlich keiner hinstellen und sagen, das hat uns überrascht.“ Oberaurach habe über ein gutes Konzept für die Sturzflutprävention. Der Gemeinde fehlte aber bisher das Geld für die Umsetzung. Rottmann kritisiert die Konzeptlosigkeit der Förderpolitik: „Es ist doch klar, dass das eine kleine Gemeinde wie Oberaurach überfordert. Der Bund fördert derzeit planlos mal dieses, mal jenes Projekt, aber die Krisenprävention in den Gemeinden kommt zu kurz.“

Hainert

Im Knetzgauer Ortsteil Hainert wird die fünfköpfige Familie Grünewald im Keller Estrich und Putz erneuern müssen. Das Wasser stand dort 1,50 Meter hoch. Getroffen hat es auch Peter Schneider, der auf dem Nachbargrundstück eine KFZ-Werkstatt betreibt. Auf dem Grundstück der Grünewalds hat ein hilfsbereiter Nachbar mit seinem Bagger jetzt erst einmal Behelfsgräben gezogen. „Aber alleine können wir uns nicht schützen,“ sagt Christiane Grünewald. Sie sieht vor allem in der Pflege von Felddrainagen und Gräben Handlungsbedarf. Die Knetzgauer Gemeinderätin Nina Köberich, aus Westheim in Gummistiefeln von den Räumarbeiten angerückt, verweist darauf, dass die Kanalisation schon früh überlastet gewesen sei. Erst Bauplätze auszuweisen und sich dann Gedanken über die Nachrüstung der Kanalisation zu machen, sei nicht mehr tragbar.

Zeil am Main

Das Capitol-Kino liegt direkt an der Altach in Zeil am Main. Als die Politiker der Grünen bei Inhaber Bruno Schneyer eintreffen, hat dieser gerade von seinem Heizungsfachmann die Hiobsbotschaft erfahren: Das Blockheizkraftwerk im Keller ist nicht mehr zu retten. Nach monatelanger Schließung strömen die Kinder wieder in die Nachmittagsvorstellung. Doch Bruno Schneyer muss die Nachricht erst einmal verdauen. Ob die Versicherung einspringt, ist ungewiss. „20, 30 Zentimeter Wasser, das kenne ich“, sagt Schneyder, dessen Vater im Keller des heutigen Kinos einst ein Fotolabor betrieb. „Aber 1,30 Meter im Keller– das hatten wir noch nie.“

Als Familie Röth auf der anderen Seite der Altach gebaut hat, war für dieses Grundstück eine Elementarversicherung gar nicht abschließbar. Dass die Röths überhaupt betroffen sein könnten, hätte auch Stadt- und Kreisrat Harald Kuhn nicht erwartet. Für ihn das Signal, dass der Klimawandel jeden treffen kann. Günter Röth nimmt sich die Überschwemmung als Warnschuss: Er will in seinem Alltag noch mehr auf Klimaschutz achten.

Tobias Hetterich von der Freiwilligen Feuerwehr Zeil am Main hat den Einsatz am Freitag geleitet. Trotz vorbildlicher Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren der Region und dem THW sagt Hetterich: „Ab einem gewissen Moment hatten wir keine Chance mehr.“ Hervorgehoben haben alle Gesprächspartner an diesem Sonntag die große Solidarität zwischen Feuerwehren, THW, Betrieben und Bürgerinnen und Bürgern. Jeder habe mit angepackt, etwa Sandsäcke befüllt oder transportiert. Dass die ortskundigen Freiwilligen Feuerwehren in den Ortsteilen immer wichtiger werden und gut ausgestattet werden müssen – darüber waren sich alle einig.

Klimaschutz und Schutz gegen Sturzfluten: Gelebte Solidarität

Für Manuela Rottmann nimmt aber auch die Sorge der Menschen mit, dass die Politik wieder zur Tagesordnung übergeht, sobald die gröbsten Schäden nicht mehr sichtbar sind. In ihrem Wahlkreis, der neben den Haßbergen auch die Kreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld umfasst, gab es in jedem der Sommer der letzten Jahre solche Starkregenereignisse. „Weil es mal diesen, mal jenen Ortsteil trifft, gerät aus dem Blick, dass die Schäden insgesamt deutlich zunehmen. So eine Sturzflut kann für Familien den Ruin bedeuten.“ Rottmann will sich für einfach zugängliche Förderprogramme für die Kommunen einsetzen. Und für konsequenten Klimaschutz. „Ich bin dankbar, dass so viele mitangepackt haben, ohne lang zu fragen. Diese Solidarität brauchen wir über den Tag hinaus. Damit sich etwas ändert und die Hochwasserbetroffenen nicht alleine gelassen werden. Denn die Erderhitzung trifft uns alle.“

Am kommenden Freitag bietet Dr. Manuela Rottmann im Büro von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN Haßberge, Bahnhofstraße 2, 97437 Haßfurt, von 16.30 – 17.30 Uhr eine Bürgersprechstunde an.

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