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Rückblick und Ausblick – warum ich auch Anfang 2020 an die Zukunft glaube

Der optimistische Jahresausblick einer genetischen Pessimistin

Ich habe ein paar Tage gebraucht, um das Jahr 2019 abzuschließen und mich auf 2020 einzustellen. Ich will überhaupt nicht anfangen, all die schrecklichen Ereignisse des vergangenen Jahres aufzuzählen. Ich will keine Beispiele für die Katastrophen nennen, die gerade zum Jahreswechsel Menschen auf der ganzen Welt ertragen müssen. Die Nachrichten hören Sie ja selbst. Ich will auch nicht die Niederlagen aufzählen, die ich selbst 2019 dabei erlebt habe, Menschen zu helfen, deren Schicksale gar nicht oder nur in den Lokalzeitungen stehen. Ganz ehrlich: Ich war 2019 oft wirklich verzweifelt.

Wenn man einen großen Schluck von diesem mir sehr unterfränkisch scheinenden Wesenszug mitbekommen hat, immer das schlimmstmögliche Ende als das wahrscheinlichste anzunehmen, dann möchte man fast alle Hoffnung fahren lassen. Manchmal denke ich, Kant hat seine Ermahnung zur Pflicht zur Zuversicht in schwierigen Zeiten insbesondere für die Unterfranken formuliert. Aber das stimmt natürlich nicht, denn Kant ist ja bekanntlich nie aus Königsberg heraus gekommen. Dem ostpreußischen.

Woher also die Zuversicht nehmen? Ich nehme mal das Thema Klimawandel. Die Zeit rennt uns davon, die Welt brennt, buchstäblich, und ich muss die Frage mit Gewalt verdrängen, in welche Welt ich mein eigenes Kind entlasse. Kinder demonstrieren, nicht nur in den großen Städten, sondern auch in Gerolzhofen, Bad Neustadt oder Haßfurt. Und schaut man sich dann die immer gleichen, zornigen Kommentare dazu unter den Berichten der Main-Post darüber an, die diese Kinder beschimpfen und verspotten, dann bekomme auch ich Zweifel, ob wir das schaffen können: Unser Leben und unsere Wirtschaft rechtzeitig so zu verändern, dass wir im Einklang mit den Grenzen leben, die uns unser Planet setzt.

Ja, die Widerstände sind groß. Wir haben uns an ein bestimmtes Leben gewöhnt, und nichts erscheint dem Menschen so richtig, so erstrebenswert, wie das Gewohnte. Dass es anders nicht nur für die Umwelt und unsere Nachkommen, sondern auch für uns besser sein könnte, vermögen wir uns oft gar nicht vorzustellen. Was dagegen hilft? Wahrscheinlich kein mahnender Zeigefinger. Jeder weiß ja, was los ist. Sondern gute Erfahrungen. Die gute Erfahrung, nicht das immer gleiche abgepackte Standardsortiment an Gemüse im Supermarkt kaufen zu müssen, sondern etwas von jemandem kaufen zu dürfen, den man kennt, zu schauen, was man eigentlich mit einem Rosenkohl oder einer roten Beete aus der Region machen kann, die wirklich nach was schmeckt. Die gute Erfahrung, dass man ein altes, vielleicht sogar hässliches Haus energetisch, barrierefrei und schön sanieren kann und es ein Schmuckstück für die ganze Siedlung, die ganze Gemeinde wird. Dass damit Leben in eine Nachbarschaft einzieht. Oder die gute Erfahrung, dass es ein viel größeres Abenteuer ist, die Kinder herausfinden zu lassen, wie man mit dem Bus oder der Bahn einen Ausflug machen kann, sie die Fahrpläne studieren und die Fahrkarten kaufen zu lassen, anstatt sie hinten auf die Rückbank zu quetschen. Die gute Erfahrung, dass ein Sprung in die Saale so viel glücklicher machen kann als ein Cluburlaub. Wenn wir uns ein anderes Leben vorstellen, dann muss es kein schlechteres sein. Wir haben so viele Chancen, reicher, weniger einsam, weniger fremdbestimmt zu leben als heute.

Selbst wenn ich 2019 verzweifelt bin, weil ich jemandem nicht helfen konnte, der sich in großer Not befand, haben mir die Menschen oft das Gefühl gegeben: Aber dass wir dir nicht egal waren, das hast du doch für uns getan. Wenn ich nichts geben konnte, dann wenigstens eine Erfahrung von Zuwendung und Respekt.

Mein Vorsatz für das neue Jahr ist: Ich will mich nicht mit dem Gedanken an das Allerschlimmste lähmen. Ich will mich lieber dafür einsetzen, dass Menschen gute Erfahrungen machen. Gerade bei uns in Unterfranken durfte ich auch im vergangenen Jahr so viele Menschen neu kennen lernen, die an solchen guten Erfahrungen arbeiten. Die andere Wege gehen, dabei viel erschaffen und ganz offensichtlich selbst besonders glücklich sind. Dafür bin ich dankbar, daher kommt meine Zuversicht: Wir sind viele, und ein besseres Leben ist möglich.

Ich danke Ihnen für viele gute Begegnungen im letzten Jahr, für Ihre Freundlichkeit, Ihre Ideen, Ihren Mut, Ihren Einsatz für Ihre Mitmenschen. Ihnen allen wünsche ich ein glückliches, gesundes und friedliches neues Jahr. Mögen Ihnen Schicksalsschläge erspart bleiben, möge jemand an Ihrer Seite sein, wenn doch schwere Zeiten kommen, mögen Sie das Glück feiern können, wenn es da ist. Alles Gute 2020!

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