Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Du diese Webseite nutzt, akzeptierst du die Verwendung von Cookies. Weitere Hinweise dazu und zum Verhindern des Speicherns von Cookies, finden sich in der Datenschutzerklärung.

OK Datenschutzerklärung lesen

header-dialog.jpg

Nationalpark Rhön oder Spessart? – Keine Niederlage für den Steigerwald.

Der Wahlkreis 248 Bad Kissingen, der die Landkreise Haßberge, Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen umfasst, ist ein besonderer Wahlkreis: Im Norden liegt das Biosphärenreservat Rhön, im Osten der Naturpark Steigerwald, und der Spessart grenzt im Westen an.

Wir sind wahrhaft gesegnet, und seit vielen Jahren kämpfen engagierte Naturschützer und die Grünen vor Ort für die Bewahrung dieser Schätze. Alle drei Gebiete, die Rhön, der Spessart und in ganz besonderem Maß auch der Steigerwald mit seinem Rotbuchenbestand erfüllen die Kriterien für einen Nationalpark. Für alle drei Regionen wäre die Einstufung als Nationalpark eine große Entwicklungschance.

Gerade im Steigerwald wird der örtliche Widerstand allerding von CSU-Politikern angeführt. Der Innenstaatssekretär Eck verweist auf die vielen gleichlautenden Beschlüsse in den Gemeinden gegen einen Nationalpark Steigerwald. Nun ist dieser Innenstaatssekretär nicht nur ein erbitterter Gegner des Nationalparks, sondern gleichzeitig auch der Mann, an dem keine Gemeinde vorbei kommt, die Landesfördermittel etwa für Dorferneuerungsprojekte benötigt. Das macht den unbefangenen Austausch sachlicher Argumente nicht unbedingt einfach. Die Landesregierung springt ihm dabei bislang willig zur Seite.

Tu felix Unterfranken...könnte man denken, wenn man nun hört, dass die Bayerische Staatsregierung den nächsten Nationalpark in Bayern in Unterfranken errichten will. Ob's die Rhön sein soll oder der Spessart, allein das sei die Frage und das solle jetzt diskutiert werden. Ein Ausrufezeichen für den Naturschutz will die Umweltministerin setzen. Geht’s der CSU jetzt plötzlich um Naturschutz? Um naturschutzrechtliche Argumente und die Diskussion aufgrund von Fakten mit der Bevölkerung geht es dabei jedenfalls nicht: Denn der Steigerwald wurde von Anfang an aus der Diskussion ausgeschlossen. Dabei bestreitet auch die Landesregierung die Eignung des Steigerwalds als Nationalpark nicht. Und weder in der Rhön noch im Spessart gibt es ein so langwährendes Engagement örtlicher Naturschützer für einen Nationalpark wie im Steigerwald. Gleichzeitig brauchen gerade die Gemeinden rund um den Steigerwald eine ökonomische Perspektive. Und nicht zufällig sind es oft die selben Leute, die für den Nationalpark und für andere Projekte kämpfen, die der Region eine echte Entwicklungsperspektive eröffnen, etwa den Erhalt der Steigerwaldbahn. All das spielt aber für die CSU keine Rolle. Die Landesregierung schließt den Steigerwald ohne ein einziges sachliches Argument aus der Debatte aus. Sie hat offenkundig Angst vor Diskussionen und Aufklärung über das Für und Wider eines Nationalparks Steigerwald, Angst vor einer sachlichen, offenen und transparenten Bewertung der unterschiedlichen Gebiete in Unterfranken und keinerlei Respekt vor dem leidenschaftlichen Engagement der Steigerwälder Naturschützer für ihre Heimat. Wenn die Bayerische Umweltministerin sagt, ein Nationalpark sollte nicht gegen die Menschen vor Ort durchgesetzt werden, dann gebe ich ihr Recht. Das setzt allerdings voraus, dass man erst einmal mit den Menschen vor Ort spricht und für diese Idee wirbt. Und eben nicht nur mit dem Innenstaatssekretär Eck. Der Ausschluss des Steigerwalds ist ein Ausweis von Feigheit.

Im Spessart stehen die Chancen auf einen Nationalpark nach dem Willen der Landesregierung besser. Auch für den Spessart ist ein Nationalpark eine Chance. Denn auch der Spessart ist ein großer Naturschatz, der allerdings vom Land teilweise schändlich gehegt wird. Die Bewirtschaftungsvorgaben für die Flächen im Eigentum der Bayerischen Staatsforsten werden von den Naturschutzverbänden immer wieder kritisiert. Der Naturpark sieht in Folge dieser Vorgaben teilweise eher aus wie eine Baumplantage. Nicht mehr Rückegassen, sondern Schotterpisten durchziehen den Forst.  Dabei ist schon heute geltendes Recht, dass öffentliche Eigentümer dem Naturschutz auf ihren Flächen Vorrang gewähren müssen. Ein Nationalpark kann kein Feigenblatt dafür sein, dass den Förstern der Bayerischen Staatsforsten wirtschaftliche Vorgaben gemacht werden, die sie zwingen, aus den Flächen außerhalb eines Nationalparks herauszuholen, was geht.

Auch im Spessart gibt es Diskussionen um das Für und Wider eines Nationalparks. Und das ist auch gut so. Aber im Spessart gibt es mutige Kommunalpolitiker, zum Beispiel den Miltenberger Landrat Jens-Marco Scherf, die sich der Diskussion stellen und offen für Fakten sind, die Chancen und Risiken abwägen, anstatt, wie teilweise die Kollegen im Steigerwald, Zerrbilder zu zeichnen und sich jeder ergebnisoffenen Diskussion über die Bedingungen für ein Gelingen eines Nationalparks zu verweigern.

Die Rhön schließlich ist seit über 25 Jahren der Beweis schlechthin dafür, dass Vorteile für Direktvermarktung, Landwirtschaft und Tourismus und Naturschutz sich nicht ausschließen, sondern einander bedingen, das Ökonomie und Ökologie eben kein Gegensatz sind, wie die CSU aber immer noch glaubt. Das UNESCO-Biosphärenreservat ist eine große Erfolgsgeschichte, die in der deutlichen Erweiterung des Gebiets 2014 noch einmal ihre Bestätigung gefunden hat. Das Biosphärenreservat ist gleichzeitig der Grund dafür, dass die Rhöner Landräte selbst am meisten überrascht davon waren, dass ihre Gegend nun auch noch für einen Nationalpark ins Spiel gebracht wurde. Denn während das Biosphärenreservat darauf ausgerichtet ist, Kulturlandschaften zu schützen, wie sie in der Rhön durch die extensive Landwirtschaft von Menschenhand geschaffen wurden, geht es beim Nationalpark darum, Flächen dem Einfluss des Menschen zu entziehen. Wie sich die erfolgreiche Marke „Biosphärenreservat“ mit einem Nationalpark vereinbaren lassen wird, wird die große Herausforderung in der Entwicklung einer Nationalparkidee für die Rhön sein. Machbar, und die Erfahrung der Rhöner mit den großen Chancen, die im Naturschutz liegen, ist ihr großer Vorteil.

Dass der Steigerwald nicht, der Spessart und die Rhön aber wohl derzeit gute Chancen haben sollen, Nationalpark zu werden, ist am Ende kein Verdienst, sondern ein Versagen der CSU. Und ihr Kalkül, damit den Kampf um einen Nationalpark Steigerwald zu ersticken, wird nicht aufgehen. Dazu sind die Argumente für den Steigerwald zu stark, das Engagement für den Nationalpark vor Ort zu leidenschaftlich, und dazu bietet die CSU auch zu wenige Ideen, wie sich die Region um den Steigerwald denn überhaupt weiter entwickeln soll. Die Menschen im Steigerwald werden sich die Frage stellen, warum eigentlich ihnen diese Chance verwehrt bleiben soll, die der Spessart mit dem Nationalpark in unmittelbarer Nähe so beherzt ergreift. Jeder Kommunalpolitiker, der sich für einen Nationalpark in der Rhön oder im Spessart ausspricht, wird denjenigen im Steigerwald Auftrieb geben, die die selben Chancen auch für den Steigerwald einfordern. Und am Ende werden die CSU-Politiker vor Ort darauf eine Antwort geben müssen.

Wir Grüne werden für Nationalparks in Steigerwald, Spessart und Rhön werben und kämpfen, im Dialog mit der gesamten Bevölkerung, auch mit den Skeptikern. Nicht als Feigenblatt für die naturfeindliche Politik des Landes, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass ökologischer und ökonomischer Nutzen keine Gegensätze sind, sondern sich bedingen. Die Arbeit dafür fängt jetzt erst richtig an – die Menschen müssen überzeugt und die Regeln für den Nationalpark definiert werden. Wir werden uns, CSU hin oder her, gemeinsam mit den Naturschutzverbänden insbesondere weiter und mit noch mehr Leidenschaft für einen Nationalpark Steigerwald einsetzen.

Und am Ende wird ein Nationalpark „Buchenwälder Unterfrankens“ stehen.

zurück