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Es ist zum verrückt Werden!

Ein verkehrspolitisch für die Reaktivierung der Steigerwaldbahn engagierter Freund weist mich auf einen Artikel in der Main-Post von vor wenigen Tagen hin...

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Standortfaktor Bahn“ lautet die Überschrift. Und darin erklärt eine junge Frau aus Gerolzhofen, Katrin Gröber, dass sie sich bewusst gegen Gerolzhofen und für Haßfurt als Standort für ihre eigene Physiotherapiepraxis entschieden hat: „Die Bahn war für mich einer der ausschlaggebendsten Faktoren bei der Standortwahl“, sagt sie. Denn mit diesem Verkehrsmittel könnten Patienten auch von weiter her bequemer anreisen, wenn sie längs einer Bahnstrecke wohnen. Gerade für ältere Menschen, die nicht mehr so gerne Auto fahren und auch niemanden haben, der sie fahren kann, sei das ein Vorteil. Und der Redakteur Norbert Finster ergänzt in seinem Artikel, dass das auch 70 Prozent der deutschen Führungskräfte so sehen wie Frau Gröber: Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sei ein wichtiges Standortkriterium für ihr Unternehmen.

Das lese ich und denke sofort an einen zweiten Artikel, aus dem Haßfurter Tagblatt von heute. Der ist überschrieben: „Pendler brauchen schnelle Verbindungen“. Die Bahn ist damit nicht gemeint. In diesem Artikel frohlockt der Bayerische Innen- und Verkehrsstaatssekretär Gerhard Eck von der CSU, der übrigens auch direkt gewählter Landtagsabgeordneter für Gerolzhofen ist, dass gerade in ländlichen Regionen leistungsfähige Staatsstraßen das Rückgrat der Verkehrsinfrastruktur seien. Zwischen Gleisenau und Breitbrunn wurde mit viel Geld vom Freistaat die Fahrbahn nicht nur saniert (völlig in Ordnung), sondern auch verbreitert. Eine Traumstraße ist das jetzt, bloß nicht für die, die gar nicht mehr Auto fahren können. „Gerhard Eck verwies auch darauf, dass der Bayerische Landtag im Straßenhaushalt 2017 rund 421 Mio Euro bereitstelle. Das sei so viel wie noch nie zuvor,“ heißt es weiter. Und dann zerfließen alle Anwesenden (CSU-)Politiker vor Rührung übereinander, wie sehr sie sich für dieses viele Geld für dieses tolle Projekt eingesetzt haben. Und freuen sich schon auf die Einweihung der nächsten, üppig geförderten Straßenbauprojekte.

So viel Geld wie nie stellt die CSU-Regierung für noch mehr Straßen zur Verfügung. So viel Geld wie nie hätte sie übrigens auch für den Schienenpersonennahverkehr auf dem Land zur Verfügung. Denn der Bund hat die hierfür bestimmten Regionalisierungsmittel für die Bundesländer deutlich erhöht. Warum gibt es aber für das Land nur Asphalt und kein besseres Nahverkehrsangebot? Warum ist kein Geld da für die Reaktivierung der Steigerwaldbahn in Herrn Ecks eigenem Wahlkreis? Warum kann sich die von Frau Gröber geplante regionale Selbsthilfegruppe für Betroffene des Lipödems und Lymphdrüsenpatienten nicht in Zukunft in Frau Gröbers Heimatort Gerolzhofen treffen, mangels Bahnanschluss, sondern wird sich in Haßfurt gründen?

Weil Bayern einen Riesenbatzen der Regionalisierungsmittel in der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München vergraben wird. Und seine eigenen Mittel lieber in noch mehr Traumstraßen steckt.

Es ist zum verrückt Werden.

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