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709 Bundestagsabgeordnete – 80 Millionen Politikerinnen und Politiker

Deutschland geht Richtung Weihnachtspause ohne gewählte Bundesregierung. Dieses lange Ringen um eine regierungsbildende Mehrheit für die nächsten vier Jahre kann man nervig finden. Und es birgt Gefahren, weil dringende Probleme weiter liegen bleiben.

Dass die Bildung einer Regierung mit langen, teilweise sehr öffentlichen Diskussionen um politische Konfliktthemen einhergeht, verändert aber auch das politische System in unserem Land. Und nicht alles daran ist schlecht.

Früher war es ja so, dass viele sich vor Bundestagswahlen vielleicht die Wahlplakate, vielleicht mal eine Fernsehdebatte angesehen haben. Wer ganz interessiert war, hat auch mal in die Wahlprogramme hinein gelesen. Dann hat man seine Stimme abgegeben, die Mehrheitsfraktionen haben ratz-fatz eine Regierung gebildet, und man selbst hat dem dann vier Jahre zugesehen. Aber zu tun hatte man damit eigentlich nicht mehr viel.

Dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger sich nicht mehr „nur“ als Wählerinnen und Wähler verstehen, sondern als aktiver Teil einer kontinuierlichen politischen Debatte in diesem Land – das habe ich schon im Wahlkampf gemerkt. Unglaublich viele gut informierte Leute an den Ständen, enorme Neugier auf Diskussionen, der erkennbare Wunsch, über Lager- und Parteigrenzen hinweg nach Lösungen zu suchen…

2017 war für mich der lehrreichste und spannendste Wahlkampf seit dem Jahr 2002. Und glauben Sie mir, ich habe seit den späten achtziger Jahren keinen einzigen ausgelassen. Und das hat mit dem Wahltag nicht aufgehört: Die ersten Veranstaltungen im Wahlkreis zur bundespolitischen Lage, schnell organisiert und gar nicht groß angekündigt, waren voll. Zwischen 17 und 82 Jahre alte Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Lebenssituationen haben ihre Fragen, ihre Ideen, ihre Vorstellungen, wie es mit Deutschland weiter gehen soll, mit Ausdauer diskutiert.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Interessiert das in Berlin überhaupt jemanden, was ich dazu denke? Bewirken meine Mails, meine Briefe an eine Bundestagsabgeordnete überhaupt etwas?
Und ich gebe Ihnen mit voller Überzeugung die Antwort: Ja! Schreiben Sie, mailen Sie, gehen Sie auf meine Diskussionsveranstaltungen und die meiner Kolleginnen und Kollegen Abgeordneten. Die Parteien in Deutschland sind in Bewegung, weil sich die Welt dramatisch ändert. 2018 kann das Jahr eines politischen Neuanfangs der parlamentarischen Demokratie in Deutschland werden. Ohne Drohungen und Gewaltfantasien, mit Respekt für andere Positionen, mit Offenheit.

Das heißt nicht immer, dass man als Abgeordneter gleich seine politische Position aufgibt. Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern ist nicht dasselbe wie jedem nach dem Munde zu reden. Aber Sie haben die Macht Parlamentarierinnen und Parlamentariern die Chance zu geben, ihre Vorschläge an Ihrer Lebenswirklichkeit, an Ihren Erfahrungen zu überprüfen, sie vielleicht auch verständlicher zu machen und neue Ideen einzuspeisen. Und ja, manchmal sind wir auch auf dem Holzweg. Und das merkt man am schnellsten, wenn man mit Ihnen diskutiert.

Wir haben ein paar hundert Bundestagsabgeordnete, die Allermeisten guten Willens, mit unterschiedlichen Begabungen, alle mit Fehlern – aber wir haben potenziell 80 Millionen kluge, politische Akteure in Deutschland. Wie gut es wir Gewählten machen, haben Sie zu einem großen Teil mit in der Hand. Deshalb mein Wunsch fürs Neue Jahr: Machen Sie mit! Trauen Sie sich! Es ist egal, ob Sie geübt sind in politischen Diskussionen oder sich noch schwer damit tun. Ich höre zu!

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